test: tokina af 11-16mm f/2.8 dx für canon


Auf der Suche nach einem guten Ultra-Weitwinkel habe ich in den vergangenen Tagen das Tokina AF 11-16mm f/2.8 AT-X 116 PRO DX mit einem Canon EF-S-Bajonett getestet. Den technischen Daten nach besaß es die optimalen Vorraussetzungen. Mit 2.8 wäre es ausreichend Lichtstark, um auch bei wenig Licht noch annehmbare Verschlusszeiten zu gewährleisten. Laut Rezensionen im Internet ist es dabei auch noch sehr scharf und hat auch nur leichte Verzerrungen. Zum Preis von knapp 600,- Euro also ein echtes Schnäppchen, oder?

 

Ausgepackt, aufgesteckt, und vom ersten Eindruck war ich ganz angetan. Haptik und Verarbeitung sind absolut zufrieden stellend. Besonders angenehm empfand ich die Umschaltung zwischen AF und MF über Clutch, d.h. man muss hier nur den Fokussier-Ring zur Kamera ziehen, und nicht wie sonst üblich kleine Schalter am Objektiv ertasten. Nur die fehlende Gummiabdichtung am Bajonett störte mich. hier gelangt schnell Staub in den Verschluss.


Leider kam schon mit dem ersten Foto die Ernüchterung. Der Autofokus brauchte ein Vielfaches der Zeit zum Scharfstellen, wie die Ultraschallmotoren in meinen Canon Objektiven. Das mag für eine Schönwetter-Landschaftsfotografie vielleicht noch annehmbar sein, aber mit abnehmendem Licht verstärkte sich diese Schwäche noch bis zu dem Punkt, an dem es den Fokus gar nicht mehr fand. Ein kurzer Linsenwechsel auf mein EF 24 - 70 mm 2.8 L USM zeigte mit einer Fokussierung in einem Sekundenbruchteil den Unterschied zum Tokina. Für den Einsatz im schwach belichteten HDR-Bereich ist das eine deutliche Einschränkung.

Diverse Testaufnahmen bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen, in- & outdoor, verschiedenen Blenden und Belichtungszeiten brachten aber noch weitere Fehler zum Vorschein. Bei den Belichtungsserien bei geringem natürlichen Licht, dafür aber Laternen und anderer künstlicher Beleuchtung (klassische HDR-Umgebung) fielen bei offener Blende und 11mm chromatische Aberrationen auf, welche sich dank fehlender Vorlage in Adobe´s RAW-Converter nur mühsam manuell entfernen lassen. Ebenfalls macht sich bei diesen Einstellungen auch eine leichte Vignettierung bemerkbar.

Das schlimmste zeigte sich jedoch erst bei Vergleichsaufnahmen: es fehlte der Linse an Schärfe. Ab Blende f/7.1 (und größerer Öffnung) wurden besonders im Randbereich Unschärfen sichtbar. Da ich mich gerade beim Freihand-Fotografieren im Bereich 6.3 bis 2.8 bewege, ist dies ein k.o.-Kriterium.

Letztendlich führten diese Mängel und die Tatsache, dass es auch „nur“ ein EF-S Bajonett für die Halbformat-Kameras hat dazu, dass ich es zurück geschickt habe. Auch wenn unterm Strich das Preis / Leistungs-Verhältnis bei nur 600,- Euro sicherlich nicht ganz schlecht ist, war es mir persönlich nicht das Geld wert, um a) mit den Einschränkungen zu leben und b) es auf der nächsten Kleinbild-Kamera (Vollformat) dann auch nicht mehr verwenden zu können. Daher ging es zurück.